Großer Artikel in der Immobilienzeitung
Nach krisenbedingter Entwicklungspause wird im Channel Hamburg wieder geplant und gebaut. Neben mehreren Bürobauten entstehen im Harburger Binnenhafen erstmals auch Wohngebäude – etwa auf der Harburger Schlossinsel. Des Weiteren sind mindestens zwei Hotels geplant. Die größte zusammenhängende Entwicklungsfläche bietet Aurelis mit dem Grundstück des früheren Harburger Güterbahnhofs – heute "Harburger Brücken".
Die Entwickler des Quartiers Channel Hamburg - Arne Weber von HC Hagemann als Initiator, Aurelius Immobilien mit Peter Groenewold und Bettina Husemann, sowie Manfred Vogler und Frank Lorenz - haben die Hafenbrache aus der gewachsenen Bebauung heraus entwickelt. Eine Mischung von alt und neu, die den Reiz des Quartiers ausmacht. Diese Entwickler sind nach wie vor zentrale Akteure bei der Weiterentwicklung des Channel Hamburg zwischen Blohmstraße und Hannoverscher Straße, Karnapp und Schlossinsel.
Eigentlich auch schon lange mit dabei ist die Aurelis Real Estate. Mit knapp 90.000 qm Entwicklungsfläche verfügt die frühere Bahn- und jetzige Hochtief-Tochter über das größte zusammenhängende Grundstück im Channel. Über zehn Jahre lang verhinderte jedoch u.a. ein Streit über die Interpretation eines im Juni 2000 geschlossenen städtebaulichen Vertrags die Entwicklung des geplanten Hafen-Campus, des früheren Güterbahnhofsgeländes zwischen Schellerdamm und östlichem Bahnhofskanal (70.000 qm) sowie einer Fläche an der Hannoverschen Straße (19.000 qm). Im Februar 2010 einigten sich die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU), der Bezirk Harburg, Aurelis und der Energieversorger Vattenfall im Rahmen eines außergerichtlichen Mediationsverfahrens. Vattenfall soll die lange strittige 110-KV-Freileitung bis zum Juni 2012 verlegen.
Diese Lösung hat Harald Hempen, Leiter der Region Nord bei Aurelis, bereits die ersten Ansiedlungen für das nun Harburger Brücken genannte Areal beschert. Er bestätigt die Ansiedlung eines öffentlichen Unternehmens auf 15.000 qm an der Hannoverschen Straße. "Zudem wird ein mittelständischer Gewerbebetrieb auf 3.000 qm einen Trakt mit Büros und Werkstatt bauen", freut sich Hempen, "und auf einem 1.600 qm Grundstück in der südöstlichen Ecke entsteht ein B&B-Hotel mit 50 Zimmern". Noch in diesem Jahr erwartet der Grundstücksentwickler außerdem Unterschriften zum Bau von Mietwohnungen. "Die Bauvoranfrage läuft und Interessensbekundungen von den meisten Hamburger Wohnungsbauentwicklern liegen vor."
30% Sozialwohnungen sollen nach dem noch nicht abschließend verabredeten neuen Hamburger Fördermodell mit zwei Förderstufen entstehen. "Der Standort wird gut nachgefragt, weil in Harburg 1.000 Wohnungen fehlen - und weil die Grundstücke günstiger sind als nördlich der Elbe." Hempen erwartet daher Mieten um 10 Euro/qm.
Allein 180 Wohnplätze für Studenten plant Aurelius Immobilien am Schellerdamm zu bauen. Eine Baugenehmigung für das vom Architekturbüro BHL Limbrock Tubbesing entworfene Projekt liegt vor, ebenso ein Letter of Intend mit dem Studentenwerk, das als Pächter der Wohnanlage auftreten würde. Mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), den Behörden und der Politik werden aktuell Gespräche zur Finanzierung des Projekts geführt.
Büros am Veritaskai
Als einer der ersten Investoren auf dem Areal Harburger Brücken hatte Frank Lorenz 2008 über die Harburger Parkhausgesellschaft (HPG), in der er Gesellschafter ist, ein 3.250 qm großes Grundstück zum Bau einer Quartiersgarage mit 530 Stellplätzen sowie eines Bürogebäudes von Aurelis gekauft. Die Quartiersgarage konnte 2009 fertiggestellt werden, der Büroriegel entsteht vor dem Parkhaus am Veritaskai bis Ende 2011. "97% der 2.400 qm Nutzfläche sind vermietet", so Lorenz. Mieter sind u.a. das Steuerbüro Dierkes und Partner sowie die Hamburg-Dependance des Bremer Immobilienunternehmens Zechbau. Verkauft ist das Gebäude auch bereits - angeblich an das Kontorhaus Jürgen Behn aus Harburg.
So plant Lorenz bereits den zweiten Bauabschnitt mit 3.500 qm, der im Herbst 2012 fertig sein soll. Die Miete soll bei 11,50 Euro/qm bis 12,50 Euro/qm liegen. Für den dritten und vierten Bauabschnitt, die das Kontorhaus Hafenblick dann auf insgesamt 20.000 qm Büroflächen bringen sollen, hat sich der umtriebige Entwickler bereits weitere 4.000 qm bei der Aurelis gesichert.
Ebenfalls nach Bedarf entwickelt Manfred Vogler vis-á-vis den 2005 umgebauten und mit einem modernen Anbau versehenen Kaispeicher am Veritaskai weiter. Aktuell geht der dritte Bauabschnitt mit 4.000 qm seiner Fertigstellung entgegen. Mieter sind der Firmenservice-Süd der Hamburger Sparkasse, der die Harburger City verlässt, die Wirtschafts- und Rechtskanzlei Schlarmann von Geyso, die hier zwei Harburger Standorte zur neuen Zentrale zusammenführt.
Umgeplant wird das Channel X am nördlichen Ende des westlichen Kaufhauskanals. Zu teuer ist der Entwurf für das 2007 vorgestellte Bürohochhaus. "Da sind wir locker bei 15 Euro/qm", hat Arne Weber errechnet. "Das ist im Moment zu teuer für diesen Standort." Nun haben die Hamburger Architekten Dinse Feest Zurl einen zweiflügeligen Baukörper mit sieben und vier Geschossen entworfen, der bei Investitionen von 15 Mio. Euro etwa 8.000 qm Bürofläche bieten soll.
Doch vor dem Channel X steht für Weber der Bau eines 3.500 qm großen Bürogebäudes an der Blohmstraße auf der Tagesordnung. Es soll neben der alten Schmirgelfabrik, die sich HC Hagemann zu 2009 als Unternehmenssitz ausgebaut hat, und der alten Unternehmer-Villa, in dem das Deutsche Institut für Luft und Raumfahrt (DLR) sitzt, entstehen. Mögliche Mieter sind das DLR oder die TUHH.
Erfreulich ist für Arne Weber zudem die im Mai vorgestellte Lösung für die denkmalgeschützte Likörfabrik am Karnapp (Hilke-Häuser). Im Rahmen einer Public Private Partnership (PPP) mit der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) und der TuTech Innovation soll bis Ende 2013 ein 3.500 qm großes Center for Green Technologies entstehen. Alt- und Neubau werden nach einem Entwurf von Windels Architekten durch eine Glasbrücke verbunden.
An der Nartenstraße, im nordöstlichen Bereich des Binnenhafens, liegt die frühere New York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie (NYH). Das knapp 29.000 qm große Areal soll von der Ecocity-Gesellschaft, hinter der u.a. der international aktive Investor Tindaro Florio steht, entwickelt werden. So ist hier von der Luxury Hospitality & Entertainment Group (LH&E), die auch das Bonner Kameha-Hotel betreibt, ein Mittelklassehotel der Marke K-Stars mit 167 Zimmern geplant. Samt Büroflächen ist von einer Investition "deutlich über 50 Mio. Euro" die Rede.
Harburger Schlossinsel
Gesichert und bereits fortgeschritten ist der Bau des von Lorenz entwickelten Wohnungsprojekts Balance Bay auf der nahen Harburger Schlossinsel. Die Keimzelle Harburgs wurde erst im Frühjahr formal aus dem Hafengebiet entlassen. Aktuell werden dort 900 Pfähle zur Gründung des aus sechs Häusern bestehenden Wohnquartiers in den Boden gerammt. 185 Miet- und Eigentumswohnungen sollen dort bis zum Herbst 2012 entstehen. Investor des 70-Mio.-Euro-Projekts ist die Provinzial Rheinland. Der Durchschnittspreis für die 86 Eigentumswohnungen liegt bei stolzen 4.320 Euro/qm.
Ein Drittel der Inselfläche wird künftig von einem sternförmigen Park geprägt, der in der Bauplanung ist und dessen Umsetzung 2011 beginnen soll. Für das südlich angrenzende "Quartier am Park" sind fünf Lose in die Ausschreibung gegangen. Für zwei Lose mit insgesamt 60 Wohnungen - ein Teil öffentlich gefördert - auf 5.000 qm BGF wurden zwei Investoren gefunden: ein Harburger Handwerksunternehmen aus dem Energiesektor sowie Holger Cassens, ein Hamburger Investor, der auch bereits am IBA-Projekt Hamburger Terrassen beteiligt ist.
"Es ist ein gutes Zeichen für die Internationale Bauausstellung und den Standort, wenn ein Investor ein zweites Projekt anpackt", so IBA-Geschäftsführer Uli Hellwig. Noch keinen Investor gefunden haben die zwei Lose mit 9.000 qm Büro- und Gewerbefläche sowie das Parkhaus. In Gesprächen mit Investoren ist Hellwig auch zum Wohnprojekt "Maritimes Wohnen am Kaufhauskanal". Zwischen Harburger Schlossstraße und Kaufhauskanal sollen nach Entwürfen der Bjarke Ingels Group (BIG), Kopenhagen, 160 Wohnungen entstehen. "Die Verträge für die nötigen Betriebsverlagerungen sind unterschrieben", so Hellwig, "aber die Ausschreibungen haben zu keinem guten Ergebnis geführt. Letztlich gab es nur eine Bewerbung".