Die Stadt der Zukunft
Harburgs Binnenhafen habe Potenzial. Eines, das einmalig sei in ganz Europa. So jedenfalls sieht es Ulli Hellweg. „Harburgs Binnenhafen könnte die Stadt der Zukunft werden“, meint der Chef der Internationalen Bauausstellung (IBA) in Hamburg. Eine Vision, die auf einem einzigartigen Fundament fußt: der Vergangenheit des Areals.
Diese ist nach wie vor allgegenwärtig. Es ist seine historische, denkmalgeschützte Substanz, die den Harburger Binnenhafen unverwechselbar macht. Als im vergangenen Herbst ein Buch über dessen Geschichte veröffentlicht wurde, sagte Reinhard Stuth, dass der Harburger Binnenhafen ein Gegenpol zur HafenCity sei. „In der HafenCity ist bis auf wenige Ausnahmen alles neu“, befand der Staatsrat der Hamburger Kulturbehörde. „Hier hingegen ist es mit der Geschichte verwurzelt.“ Die besondere Mischung aus Alt und Neu schafft eine Vielfalt, die von Investoren und Nutzern gesucht wird. Und sie passt hervorragend zur städtebaulichen Vision der IBA-Macher eines einträchtigen Miteinanders von Gewerbe, Hafenindustrie und Wohnen im Binnenhafen. Dieses „einträchtige Miteinander“ hat es hier nämlich schon früher gegeben.
Es sind vor allem drei historische Villen, die davon künden: ein Wohn- und Kontorhaus in der Harburger Schloßstraße 43 (1848) sowie die Villen Lengemann (1881) und Lammerich (1874) in der Blohmstraße. Nachdem der international renommierte Landschaftsarchitekt Wolfgang Betz bereits zu Beginn dieses Jahrzehnts damit begonnen hatte, das elegante klassizistische Wohnhaus in der ältesten Straße Harburgs zu renovieren und restaurieren, wurden nun auch die Arbeiten an den anderen beiden Juwelen der Harburger Hafengeschichte abgeschlossen. Dabei haben die Inhaber keine Kosten und Mühen gescheut, um die historische Bausubstanz so weit wie möglich zu erhalten oder wiederherzustellen.
In der Villa Lammerich kam dabei mit Renée Charlotte Melms eine Restauratorin zum Einsatz, die sich mit Wand- und Fassadenmalerei sowie alten Handwerkstechniken europaweit einen Namen gemacht hat. Auch in der Villa Lengemann künden ein bunt verzierter Steinfußboden im Foyer und eine Intarsien nachempfundene Bemalung der Decke in einem der Räume vom aufwendigen Anspruch, Altes zu erhalten und zu neuem Leben zu erwecken.
Mit Thyssen Krupp Industrieservices in der Villa Lengemann und dem nationalen Forschungszentrum für Luft- und Raumfahrt und der Raumfahrtagentur Deutschlands (DLR) in der Villa Lammerich haben die beiden Schmuckstücke renommierte Mieter gefunden. Solche, die den Kreis schließen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
(pen)