Hamburg fliegt auf Schlitten
Die Idee ist spektakulär. Vor allem für Laien. Für die gehört ein Fahrwerk zum Flugzeug wie der Hafen zu Hamburg. Die Hansestadt ohne Schiffe ist in der Tat unvorstellbar. Fahrwerklose Flugzeuge dagegen könnte es irgendwann geben.
Das Projekt „Airport 2030“ verfolgt das Ziel, am Beispiel des Flughafens Hamburg Prozess- und Technologieansätze aufzuzeigen, die einen messbaren Beitrag zur Qualitäts- und Gesamtleistungssteigerung sowie zur Umweltverträglichkeit des Lufttransportsystems leisten. Für das Teilprojekt GroLaS (Groundbased Landing Gear System) ist das Unternehmen „mb + Partner“ verantwortlich – Sitz: channel hamburg. Partner sind unter anderem: das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Airbus und die TUHH. Bei GroLaS handelt es sich um ein revolutionäres Konzept, bei dem es um die Untersuchung einer Kombination von fahrwerklosen Verkehrsflugzeugen mit einem an Flughäfen installierten bodengebundenen Fahrwerksystem geht. Computer übernehmen dabei die Synchronisation. Die Idee basiert auf den Diplomarbeiten von Jan Binnebesel und Till Marquardt, beide Ingenieure für Flugzeugsystemtechnik.
Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass die Wirtschaftlichkeit eines Flugzeugs in hohem Maße von der Leermasse abhängig ist. Diese setzt sich aus vielen Komponenten zusammen, unter anderem dem Fahrwerksystem, welches einen relativen Masseanteil von bis zu zehn Prozent einnimmt, aber nur am Boden gebraucht wird. Darüber hinaus ist es sowohl in der Anschaffung als auch im Betrieb wegen der aufwendigen Wartung sehr kostenintensiv. Ersten Berechnungen nach könnte ein Weglassen des Fahrwerkssystems bis zu 12 Prozent geringere Betriebskosten, 20 Prozent weniger Kohlendioxid-Ausstoß und 35 Prozent weniger Lärmemissionen bewirken. Durch ein bodenbasiertes Landesystem wäre es darüber hinaus denkbar, die hohe beim Abbremsvorgang nach dem Aufsetzen frei werdende Bremsenergie nutzbar zu machen.
Noch ist die Idee eine Projektstudie, die bis 2013 ausloten soll, ob das hinter diesem Konzept erwartete Potenzial ausreicht, um die mit der Einführung einer solchen Technologie einhergehenden Herausforderungen zu rechtfertigen. Es gibt noch viele Fragen zu klären. Aber: Es deuten sich bereits jetzt weitere Vorteile an. So könnte die Prozedur bei Seitenwindlandungen durch den rotatorischen Freiheitsgrad um die Hochachse erheblich vereinfacht werden. Auch Notlandungen sind eine wichtige Thematik, die GroLaS berücksichtigt. Die Sicherheit des Fluggastes steht natürlich immer im Vordergrund. Ob mit oder ohne Fahrwerk. (pen)
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